Vorteile der Bienenbox

  • #9803
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    Hallo zusammen,

    es wird ja allgemein hier betont, dass das konzept der Bienenbox besonders bienfreundlich sein soll. Da ich ein ziemlicher Anfänger bin, würde mich mal interessieren, was das denn genau bedeutet? Was sind denn die konkreten Vorteile der Bienenbox in Bezug auf das natürliche Verhalten der Bienen?

     

    Beste Grüße

     

    Wolfram

    #9804
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    #9807
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    Hallo Wolfram,

    du musst unterscheiden zwischen Konzept der Bienenbox und Bienenbox als Kiste selber.

    Jegliche Bienenhaltung ist immer ein Kompromiss, der Kompromiss zwischen den natürlichen Bedürfnissen der Bienen und denen des Imkers, der das Volk auch bearbeiten will und leider in unserer Umwelt auch muss.

    Den Bedürfnissen kommt die Kiste in sofern entgegen, dass das Volk einen großen Raum zur Verfügung hat. Dennoch finden sich auch hier natürlich Kompromisse. Durch die Rähmchen wird die Orientierung der Waben vorgegeben, dem offenen Gitterboden stehe ich auch eher kritisch gegenüber, usw.

    Entscheidender für das annähernd natürliche Verhalten der Bienen ist der Umgang mit ihnen – das Konzept. Der Verzicht auf Mittelwände, wodurch die Bienen den Wabenbau nach eigenen Ansprüchen anlegen können (wenn auch in vorgegebenen Rahmen), die Überwinterung auf eigenem Honig, Verzicht auf „unnätürliche“ Maßnahmen wie der Ablegerbildung, geringe Störung, usw.. Aber auch bei dem Konzept gibt es Kompromisse.
    Beispielsweise die Schwarmvorwegnahme entspricht nicht vollends dem natürlichen Schwarmakt, dennoch halte ich es für besser, als einen Schwarm ausziehen zu lassen, der dann nicht geborgen werden kann und an Futtermangel, Krankheit oder einem Kammerjäger verendet.

    Was die Kiste angeht, so sind Bienen da sehr flexibel und ich habe schon einiges ausprobiert. Entscheidender als die Kiste ist das Konzept.

    #9808
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    „Bienenfreundlich“:
    1) Die Bienenbox ist eine sog. Einraumbeute und das Konzept scheint dem Verhalten der Bienen sehr entgegen zu kommen. Ein Baum ist ja auch eine „Einraumbeute“ und so scheint das eine nachvollziehbare Ursache zu haben.

    2) Ich verstehe mich als „Bienenpfleger“ und die BB erlaubt es mir auf Grund ihrer Beschaffenheit , den Bien nahezu ohne Störungen optimal zu Pflegen.

    3) Einsteiger*innen in die Bienenhaltung können m.E. mit der BB wunderbar lernen wie der Bien sich über das Jahr entwickelt. Das die BB ein Sichtfenster über die ganze Breite hat ist ein großer Vorteil-Störungen der Bienen können vermieden werden, denn der Anfänger oder die Anfängerin will ja schließlich sehen was da in der „Kiste“ vor sich geht. Ein Plus, das man nicht unterschätzen sollte, denn das Öffnen der Beuten ist eine Störung die ernste Folgen haben kann. Bei der BB muss man für eine „Sichtkontrolle“nur das Sichtfenster öffnen… Temperatur und Geruch in der BB bleiben unverändert.

    Meine Erfahrung nach drei Jahren Bienenbox: die Bienen fühlen sich sichtlich wohl in der BB. Eigenartiger Weise haben meine Versuche bislang ergeben, dass die Bienen in der BB viel zügiger dem Naturwabenbau nachgehen als in einer Dadant-Beute beispielsweise. Aber das mag vielleicht auch nur meine subjektive Erfahrung sein.

    Bienenfreundlich? Ja, aber nur wenn der Imker oder die Imkerin hinter der BB auch „bienenfreundlich“ handelt 😉

    Grüße aus Köln,
    Stefan

    #9821
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    Vielen Dank für die ausführlichen Antworten.

     

    @chris: Was ist denn am offenen Gitterboden zu kritisieren? Und was wären die Alternativen?

    #9827
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    Der offene Gitterboden resultiert ja nur aus der Diagnosemöglichkeit der Varroabelastung. Vorher gab es den nicht. Als Argument wird auch gern die reduzierte Schimmelbildung im Bienenstock im Winter-/Frühjahr angeführt, da es zu einer besseren Luftzirkulation kommt.

    Für mich ist eben diese Luftzirkulation kontraproduktiv. Gerade jetzt, wo die Völker schon größere Brutflächen pflegen, was für die Winterbesetzung Höchstarbeit bedeutet, und es dann im Frühjahr zu einem deutlichen Temperaturabfall auf Dauerfrost kommt, kann verlorene/entwichene Wärme das Volk sehr belasten. Verkühlte und ausgeräumte Brut ist das Ergebnis – besonders, wenn auch noch der Wind von unten zieht – bspw. bei einem Platz an der Balkonbrüstung.
    Bei Dauerforst und Wind lässt ja auch keiner von uns die Kellertüre offen stehen, warum machen wir das dann aber bei unseren Bienen.

    Was die Schimmelbildung betrifft, so sollte man da mal einen Blick in die Konstruktionen und Materialien werfen. Kunststoffbeuten schimmeln natürlich von innen bei geschlossenem Boden, ebenso lackierte Holzbeuten, wo dem Holz die Möglichkeit genommen wird Wasser nach außen diffundieren zu lassen. Nutze ich offenporige Lasuren, habe ich schon einen ersten Schritt getan.

    Ein isolierte  wärmedämmendes aber atmungsaktives Dach wäre da von Vorteil. Nutzt der Mensch im Häuserbau und bereits Anfang/Mitte des 20.Jhd. erkannte Warre es für Bienenbeuten und entwarf daufhin die Warre-Beute mit dem Warre-Kissen.
    In der Warre-Beute hatte ich trotz geschlossenen Boden keine Probleme mit Schimmelbildung. Mittlerweile stört mich eine etwaige Schimmelbildung aber auch nicht mehr. Sobald das Volk wächst, weicht der Schimmel. Auch Pilze gehören zur Flora und Fauna im Bienenstock und werden teilweise von den Bienen sogar zur Fermentierung von Pollen genutzt. Wie immer schadet aber ein zu viel.

    Meine selbstgebauten Böden/Beuten verfügen über einen praktisch geschlossenen Boden. Dafür liegt aber das Lugloch etwa 1cm höher, damit es durch den Totenfall im Winter nicht verstopft. Ansonsten lasse ich eigentlich die Windel immer drin. Erst im Herbst nehme ich die raus. Dann sollen die ruhig die Kälte spüren und zeitig aus der Brut gehen, auch um die Varroavermehrung zu stoppen (wieder ein Kompromiss). Ab der Oxalsäurebehandlung kommt die Windel wieder rein – muss aber regelmäßig gereinigt werden.

    Was man aber eventuell braucht, ist eine alternative Diagnosemöglichkeit zur Varroabelastung. Puderzucker/CO2…ist aber mehr Aufwand als die Windeldiagnose.

    #9858
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    Ah ok, danke. Das klingt sehr plausibel. Macht es denn Sinn, den Deckel der normalen Bienenbox besser zu isolieren, etwa durch eine Strohschicht oder kann man sich sowas sparen?

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