Durch den Balkon sind die Bienen für mich ein Teil des Lebens geworden!

Max und die Bienen: Auch nach zwei Jahren kann sich Max immer noch für jede einzelne seiner summenden Haustiere begeistern. Angefangen hat alles auf seinem eigenen Balkon in Berlin Friedrichshain. Als ein Umzug in einen anderen Stadtteil anstand, fanden seine liebgewonnenen Mitbewohnerinnen ein neues Zuhause um die Ecke: Die Eltern seiner Freundin stellten seine BienenBox auf ihren Balkon und sind mittlerweile selbst begeisterte Bienenfreunde geworden.IMG_0036aDu bist schon seit einigen Jahren Bienen. Kannst du dich noch an die ersten Tage erinnern? Wie war’s? Sehr aufregend. Das war super spannend. Man stand die ganze Zeit nur da und hat zugeguckt. Ich hatte mit den Bienen vorher nur theoretisch Kontakt. Ersteinmal war es natürlich ein großes Wirrwarr. Man will ja auch alles richtig machen. Ich habe mir viel angelesen und immer geguckt und war dabei sehr nervös. Dann habe ich ganz schnell das Gefühl bekommen: Das sind jetzt meine Babys und auf die muss ich aufpassen. Sie sind für mich wie ein Haustier geworden, das man liebhaben kann. Dieses Gefühl hat sich relativ schnell entwickelt.Wie hast du dich auf das Imkern vorbereitet?Ich habe keinen Kurs mitgemacht, sondern einen Workshop bei den Stadtbienen, wo wir die Bienenbox gebaut haben. Dann wollte ich auch Bienen haben. Aber wenn ich jetzt neu anfangen würde, würde ich auf jeden Fall einen Kurs machen. Man hat einfach mehr Sicherheit beim Umgang mit den Bienen und man weiß worauf man sich einlässt. Ich wusste das alles ja nur theoretisch. Das ist schon ein Unterschied, wenn man einen Kurs belegt. Wie genau hast du das Imkern denn dann gelernt? Ich habe den Jahresverlauf gelesen, Was brauchen die Bienen, warum Bienen in der Stadt, wie verhalten sich Bienen, wie leben die überhaupt usw…Und spannend wird es dann in der Praxis: Du siehst irgendwas was du dir nicht erklären kannst, dann guckst du es nochmal schnell nach und dann rufst du zur Sicherheit halt nochmal an und fragst nach. In der Praxis kommen natürlich noch viel mehr Fragen. Man denkt man sei gut vorbereitet, man hat sich ja informiert und sich auseinander gesetzt, aber dann kommen so ganz simple Sachen wo du dann denkst: Was ist denn jetzt passiert, wieso machen die denn das jetzt?Klingt lustig. Kannst du ein Beispiel nennen?Meine Bienen sind ja umgezogen, weil ich in meiner neuen Wohnung keinen eigenen Balkon habe. In meiner alten Wohnung hatten meine Bienen komplette Südseite und da knallte immer die Sonne drauf. Da sind die Bienen voll abgegangen, und ich dachte vor allem am Anfang: Was ist denn da los? Aber das ist ja ganz normal, wenn sie die ganze Zeit Sonne haben.Kannst du dich an weitere Probleme erinnern, die du am Anfang mit deinen Bienen in der Bienenbox hattest?Ich erinnere mich an eine Situation ganz am Anfang: Einmal lagen vier tote Bienen auf meinem Balkon. Ich dachte sofort: Jetzt habe ich einen Fehler gemacht, hier sind jetzt Bienen gestorben. Zuerst bin ich davon ausgegangen, dass sie bestimmt verhungert sind und ich habe den Bienen noch extra Zuckerwasser in die Box gestellt. Oder vielleicht haben sie den Weg nachts nicht mehr reingefunden. Dann hab ich Johannes angerufen, den ich ja aus dem Bauworkshop kannte. Johannes sagte nur: ,,Ruf mich an, wenn bei dir 200 tote Bienen liegen.‘‘ Die Sommerbienen leben ja auch nur 6 Wochen, und wenn die sterben, werden sie aus der Box rausgeschafft. Das ist ganz normal. Am Anfang ist man eben übervorsichtig. Oder wenn man sich mal die Rähmchen anschaut, kann man auch denken: Ach, die sieht aber komisch aus die Wabe, die ist hier ein bisschen dunkler. Und dann denkt man sofort, dass es vielleicht eine Krankheit ist, weil man eben einfach unsicher ist. Ich hatte das Problem, dass ich selber nicht einschätzen konnte, was ist jetzt normal ist und was nicht. Was ist das normale Verhalten, was macht die da? Das ist quasi die größte Unsicherheit.Tauscht du dich oft mit anderen Bienenhaltern aus? Am Anfang hatte ich nur Johannes als direkten Ansprechpartner. Und natürlich die Leute, mit denen wir zusammen die BienenBox aufgebaut haben. Das waren so 4-5 Leute. Damals gab‘s auch noch viele Emails um sich darüber auszutauschen, was die Bienen bei dem jeweils anderen so machen. Und einmal haben wir bei einer Teilnehmerin Kuchen gegessen und die Bienen Box angebracht. Der Austausch war am Anfang schon da, ansonsten war ich immer mit Johannes in Kontakt.Fandest du es schwer in die Thematik reinzukommen?Nein, das ging von ganz alleine. Ich bin ja ein totales Stadtkind und hab mich nie mit dem Thema auseinander gesetzt. Ich wollte Bienen haben, weil das ne coole Idee ist! Die Motivation kam in dem Fall definitiv von Innen.Seit 2013 hast du sicherlich schon einige Erfahrungen mit Bienen gemacht. Was hat dich bisher am meisten an deinen Bienen fasziniert?Man kann viel beobachten. Und das schönste ist einfach am Fenster zu stehen und zuzugucken wie die Bienen mit vollen Taschen nach Hause kommen. Das hat einen richtig therapeutischen Effekt – man steht da und guckt und das ist einfach cool. Gerade wenn du sie neu einlogiert hast und die Bienen sich einfliegen und jeder hat seinen Job und das hängt alles zusammen – das ist faszinierend. Eine Biene alleine ist vollkommen lebensunfähig. 20000 Organismen zuzuschauen, die einen Organismus bilden – das fasziniert mich immer noch am meisten.Was genau hat sich in deinem Leben verändert, seit du Bienen hast?Man kriegt ja schon einen anderen Blick auf die Dinge: Wespen beispielsweise waren mir früher immer ein bisschen egal. Inzwischen hasse ich Wespen. Die können zum Beispiel eine Biene einfach so in der Mitte durchbeißen. Und manchmal wollen die in die Box und den Honig klauen. Das kannst du richtig beobachten. Die krabbeln dann manchmal rein und werden dann von den Bienen wieder rausgeschubst.Außerdem achte ich jetzt viel mehr darauf, was genau jetzt an Blüten und Bäumen blüht. Als die Bienen neu waren, hab ich mir sofort die Bäume in meiner Straße angeschaut: Alles voll mit Linden. Und ich habe jetzt ein viel besseres Bewusstsein für die Natur gekriegt. Zum Beispiel denke ich immer wenn ich eine grüne Wiese sehe: Wiesen sollten nicht grün sein! Wiesen sollten bunt sein, da müssen überall Blumen wachsen, damit die Bienen da ran können! Früher habe ich mich damit nie beschäftigt. Mein Blick auf die Welt hat sich verändert und vorallem ist mir aufgefallen, wie grün die Stadt eigentlich ist! Ich bin in Berlin groß geworden, aber ich habe das vorher nie richtig wahrgenommen.IMG_0048aWas sagen deine Nachbarn oder dein Vermieter zu deinem neuen Hobby?Das war auch ganz spannend. Was man nicht machen sollte: Die BienenBox einfach ranhängen, ohne jemanden zu informieren. Ich habe das so gemacht und irgendwann kam der Hausmeister und hat mich drauf angesprochen. Der hat das dann der Hausverwaltung gesagt, obwohl ich das eigentlich hätte machen sollen. Zu meiner Verteidigung muss ich aber sagen, dass ich relativ schnell und spontan einen Schwarm bekommen habe. Dann bin ich irgendwie nicht dazu gekommen Bescheid zu sagen. Bei der Hausverwaltung kam dann erstmal die logische Reaktion: Bienen halten am Balkon, und Bienen in der Stadt, das geht ja mal überhaupt nicht usw. Dann habe ich einen Brief geschrieben an die Hausverwaltung und habe mich entschuldigt, dass ich sie nicht informiert habe. In dem Brief habe ich erklärt, warum Bienen in der Stadt cool sind und erzählt, dass urbane Bienenhaltung erlaubt ist. Dann war das auch alles gar kein Problem. Später bin ich dann umgezogen und jetzt hängt die BienenBox zwei Straßen weiter bei den Eltern meiner Freundin. Dort musste ich auch ein bisschen Überzeugungsarbeit leisten, weil sie sich Sorgen gemacht haben, dass man nicht mehr auf dem Balkon sitzen kann. Trotzdem haben sie sich drauf eingelassen. Am Anfang fliegen die Bienen sich ja ein, dann gibt’s ein großes Gewusel und einige Bienen sind beim Nachbarhaus immer gegen die Scheibe geflogen. Denen habe ich dann meine Nummer gegeben und erklärt, dass sowas gerade am Anfang passieren kann und wenn es weiter auftritt, sollen sie auf jeden Fall Bescheid sagen. Das hat 1-2- Tage gedauert und ist dann auch nicht mehr vorgekommen. Die haben jetzt im Sommer das Fenster auch immer ganz weit offen, aber die Bienen fliegen wirklich gar nicht in die Wohnung rein. Nachts kann das natürlich schon mal passieren. Einmal saßen wir nachts alle draußen auf dem Balkon und dann beim Abräumen, haben zwei Bienen das Licht gesehen und sind dann reingeflogen. passiert aber wirklich selten. Und wiegesagt die Nachbarn, die haben alle meine Kontaktdaten und da kam nie was.Gibt es etwas, dass angehende Bienenboxler unbedingt wissen sollten, bevor Sie starten?Redet vorher mit den Nachbarn! Am besten auf einen Kaffee einladen und erklären, dass Bienen für Nachbarn gar kein Problem darstellen – was ja auch wirklich stimmt. Ansonsten: Ihr werdet viel mehr Zelt auf dem Balkon verbringen.Was findest du an der BienenBox besonders toll? Die Sache mit dem Balkon ist grandios gelöst. Dadurch sind die Bienen für mich ein Teil des Lebens geworden. Man geht auf den Balkon und guckt den Bienen zu. Das ist einfach schön. Der Balkon ist dadurch für mich ein ganz neuer Ort geworden. Das ist Entertainment pur!Auf unserer Website reden wir immer von einem Zeitaufwand von 15 Stunden pro Jahr. Findest du das kommt hin?15 Stunden im Jahr kommen hin. Rein von der handwerklichen Tätigkeit ist es wirklich sehr wenig. Im Winter gibt’s tatsächlich nix zu tun. Und im Sommer, schaue ich persönlich schon öfter mal in die Box rein, häng ein Rähmchen dazu, mache Honigernte oder mache mal eine Behandlung. Im Kopf beschäftigt man sich wahrscheinlich aber trotzdem mehr mit seinen Bienen, und guckt häufiger rein als notwendig ist. Es hat natürlich auch was damit zu tun wo die Box steht. Wenn man erst irgendwo hinfahren muss, arbeitet man natürlich viel effektiver, hat aber natürlich auch weniger von den Bienen.Wurdest du eigentlich schon mal gestochen?Ja – ich wurde tatsächlich zwei Mal gestochen. Am Anfang habe ich immer ohne Schleier gearbeitet, was ja normalerweise auch geht, wenn man ganz ruhig ist. Einmal wurde ich in die Hand gestochen und einmal hat sich eine Biene ein bisschen verirrt und ist mir in die Nase geflogen. Da konnte die Biene auch gar nix für. Mir tat sie dann auch total Leid, weil sie nicht mehr fliegen konnte und sie dann in Panik geraten ist. Ansonsten bin ich aber ganz glimpflich davon gekommen.Zum Schluss, erzähle uns doch bitte warum deine Bienen es gerade bei dir besonders gut haben!Weil ich sie alle ganz doll lieb habe – wirklich jede einzelne von den kleinen Mäusen. Und sie einen sehr schönen Platz haben neben dem Treptower Park und weil sie jetzt ganz liebe Stiefeltern haben, die sich sehr über die Bienen freuen.

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